J.S. Bach: Goldberg-Variationen
Sonntag, 01 November 2026 | Großer Saal
Evgeni Koroliov, Klavier
J.S. Bach, Goldberg-Variationen BWV 988 (Clavier Ubung bestehend in einer ARIA mit verschiedenen Verænderungen vors Clavicimbal mit 2 Manualen)
„Wenn ich nur ein Werk auf die einsame Insel mitnehmen darf, so wähle ich Koroliovs Bach, denn diese Platte würde ich, einsam verhungernd und verdurstend, bis zum letzten Atemzug immer wieder hören.“ György Ligeti
Auch wenn Ligeti sich auf das Koroliovs Einspielung des Wohltemperierten Klaviers bezogist die wohl die häufigste Antwort auf die Frage, welches Musikstück auf die berühmte einsame Insel mitgenommen werden würde wohl eine andere: Ursprünglich benannt als „Aria mit verschiedenen Veraenderungen vors Clavizimbal mit 2 Manualen Denen Liebhabern zur Gemüths-Ergetzung verfertiget“ hat man diesem Werk später den handlicheren, schöneren und fantasieanregenden Titel Goldberg-Variationen gegeben. Ein musikalischer Gipfelpunkt, ein zeitloser Mikrokosmos, berührend, umfassend, absolut. Was braucht man mehr auf der einsamen Insel?
“Aria mit verschiedenen Veränderungen” hat Johann Sebastian Bach mit nicht zu unterbietendem Understatement auf den Titel eines Cembalowerks geschrieben, mit dem er seine Zeitgenossen zur Michaelismesse 1741 oder 1742 überraschte. Ob es damals viele Cembalisten gab, die dieses Werk eben mal so spielen konnten wie ihr Komponist oder sein genialer Schüler Johann Gottlieb Goldberg, dem die Variationen ihren Beinamen verdanken, bleibt dahingestellt. Tatsache ist, dass Musikliebhaber der Bachzeit wie die Nichte des Dichters Gottsched an Bachschen „Claviersachen“ förmlich bis zur Verzweiflung übten, dass sie sie nichtsdestotrotz bewunderten und die „Gemüths-ergötzung“, auf die es ihr Schöpfer angesehen hatte, sehr wohl empfanden.
Deshalb ist es auch nicht unwahrscheinlich, dass ein ganz harmloser Umstand wie die Schlaflosigkeit des Dresdner Grafen Keyserlingk tatsächlich der Auslöser für Bachs Riesenwerk war. Um seinem Gönner die Zeit während eben jener Nächte zu vertreiben, so die Anekdote, konnte Bach nicht nur auf die Virtuosität seines Schülers Goldberg vertrauen, der des Grafen Hauscembalist war, sondern auch darauf, dass dieser die Variationen stets nur in Auszügen spielte, dass man sich einzelne von ihnen als Stärkungs- und Genuss- (nicht Schlaf-) mittel ganz nach Gusto „zu Gemüthe“ führte, und dass die ungeheuer kunstvolle Architektur des Ganzen dabei eine Beigabe für die Kenner blieb.
Termine
Details zur Veranstaltung
Veranstaltungsort
Großer Saal
Jean-Paul-Platz 1,
95444 Bayreuth
Veranstalter
Friedrichsforum
Friedrichstraße 19
95444 Bayreuth